
Am Äquator traf das JUGGE einen kenianischen Stamm, spielte ein Konzert und nutze die Zeit für kulturellen Austausch.
Ende Oktober reisten Bürgermeister Michael Wörle und Kulturamtsleiter Uwe Wagner nach Kenia, um die kommunale Partnerschaft mit den Regionen Baringo und Kisumu weiter auszubauen. Ziel der Reise war es, laufende Projekte zu besichtigen, neue Vorhaben zu beraten und den kulturellen Austausch zu fördern.
Begleitet wurde die Delegation von zwei weiteren Gruppen: Das Jugendorchester Gersthofen (JUGGE) begeisterte mit über 60 Musikerinnen und Musikern als „musikalischer Botschafter“ und öffnete so manche Tür. Zudem war der Verein Pro Kapsogo, der vor 15 Jahren den Grundstein für das Gersthofer Engagement in Kenia legte, mit einer achtköpfigen Delegation vertreten.
Warum diese Reisen wichtig sind
Die Stadt Gersthofen arbeitet eng mit der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) zusammen – einer Organisation, die Projekte im Auftrag des Bundes nahezu vollständig finanziert. Die Stadt trägt dabei keine Kosten, während unsere kenianischen Partner 20 % übernehmen. Für Gersthofen bedeutet das: wichtige Projekte ohne finanzielles Risiko, aber ein großer Imagegewinn als engagierte und weltoffene Kommune.
Im Mittelpunkt stehen aktuell Wasserprojekte für Schulen und Krankenhäuser. Konkret werden Bohrlöcher gebohrt, Pumpen installiert und Solaranlagen zur Energieversorgung eingerichtet. Die Wirkung ist enorm: Wo früher Wasser kilometerweit getragen werden musste, verbessern sich Hygiene und Bildungschancen. Schulen verzeichnen steigende Schülerzahlen, Gemüseanbau und Viehhaltung werden möglich – oft entsteht eine Selbstversorgung, die sogar die Nachbarschaft mit Wasser und Lebensmitteln versorgt und Einnahmen für die Einrichtungen ermöglichen.

Das JUGGE spielte unter anderem in Nairobi im Nationaltheater ein ausverkauftes Konzert.
Kranzniederlegung am Grab von Raila Odinga

Kranzniederlegung am Grab von Raila Odinga – eine Auszeichnung, die sonst nur Staatsgästen zuteilwird.
Nur drei Wochen vor der Ankunft der Gersthofer:innen verstarb Raila Odinga – ein Volksheld von Nelson-Mandela-Format. Dank seiner Verfügung, binnen zwei Tagen beerdigt zu werden, war die Reise der Delegation aus Gersthofen trotz Ausnahmezustand in Kenia möglich. Nun hatte sie die große Ehre, an seinem Grab einen Kranz niederzulegen – eine Auszeichnung, die sonst nur Staatsgästen zuteilwird – und bei seiner Witwe ein Konzert zu spielen. Der emotionale Höhepunkt: das gemeinsame Singen von „Es gibt kein Bier auf Hawai“, Odingas Lieblingslied aus seiner Studienzeit in Deutschland. Die Videos dieses Nachmittags gingen viral und wurden als „größte Geste der Deutschen“ gefeiert.
Das meistgeklickte Video (1,4 Mio. Views) stammt aus dem Konzert des JUGGE in Kisumu, der neuen Partnerregion Gersthofens. Es zeigt den Gouverneur, wie er das Jugge dirigiert – ein Programmpunkt, der überall für Begeisterung sorgte:
Vorteile für Gersthofen
Neben den Projekten gab es intensive Gespräche mit kenianischen Regierungsorganisationen und sogar eine Begegnung mit einer Delegation des Deutschen Bundestages. Ein besonderes Highlight: die Eröffnung eines „German Corner“ in der County Library in Kisumu, ausgestattet mit deutschen Büchern aus Spenden. Sprachförderung ist ein Schlüssel, um mittelfristig Fachkräfte aus Kenia für Pflege, ÖPNV und Logistik in Deutschland zu gewinnen.
Image und Förderchancen: Stärkung der Position bei nationalen und europäischen Programmen.
Fachkräftebasis: Aufbau von Kontakten und Sprachförderung gegen den Personalmangel.
Jugendarbeit und Kultur: Internationale Begegnungen durch Projekte wie das Jugendorchester.
Netzwerke: Kontakte zu Regierungsorganisationen für zukünftige Projekte.

Erster Bürgermeister Michael Wörle und Benjamin Cheboi, Governor von Baringo County, unterzeichnen eine Absichtserklärung gemeinsam ein neues Wasserprojekt an einer Schule in Baringo (Kenia) in Angriff zu nehmen.