Mehrsprachigkeit als Chance
Mehrsprachigkeit beschreibt die Fähigkeit, zwei oder mehrere Sprachen zu verstehen und zu sprechen.Dabei unterscheidet man zwei Formen von Mehrsprachigkeit:
- Simultane Mehrsprachigkeit: Kinder lernen mehrere Sprachen von Geburt an gleichzeitig, zum Beispiel wenn Eltern unterschiedliche Muttersprachen sprechen.
- Sukzessive Mehrsprachigkeit: Kinder lernen zunächst eine Erstsprache (Muttersprache) und erst später eine weitere Sprache, etwa beim Eintritt in die Kita oder beim Umzug in ein anderes Land.

1.Mehrsprachigkeit als Chance:
Viele Kinder wachsen heute mit mehreren Sprachen auf. Diese sprachliche Vielfalt / Mehrsprachigkeit ist Ausdruck einer zunehmend globalisierten Gesellschaft. Der Bayerische Bildungs – und Erziehungsplan (BayBEP) versteht, ebenso wie wir, Mehrsprachigkeit ausdrücklich als Ressource und Kompetenz, nicht als Defizit!
Kinder, die mehrere Sprachen lernen, entwickeln häufig ein gutes und differenziertes Sprachbewusstsein und eine sprachliche Sensibilität. Dadurch erweitern die Kinder ihre kommunikativen Fähigkeiten und profitieren langfristig auch in ihrer kognitiven Entwicklung. Eine gut entwickelte Erstsprache bildet dabei eine wichtige Grundlage für das Erlernen weiterer Sprachen – auch für die deutsche Sprache. Deshalb ist es pädagogisch sinnvoll, wichtig und erwünscht, dass Kinder ihre Familiensprache weiterhin aktiv nutzen und entwickeln dürfen. Wir legen großen Wert auf die Anerkennung und Wertschätzung der Herkunfts– und Familiensprachen. Kinder erleben dadurch, dass ihre sprachliche und kulturelle Identität respektiert wird. Dies stärkt ihr Selbstwertgefühl und ihre Lernmotivation.
Kinder dürfen ihre Familiensprache in unserer Einrichtung einbringen – z.B. im freien Spiel oder auch im Dialog mit anderen Kindern. Wir, pädagogischen Fachkräfte, greifen diese bunte Vielfalt bewusst auf und schaffen eine offene, respektvolle und vorurteilsfreie Atmosphäre.
Durch die Wertschätzung der Erstsprache, kann diese auch den Erwerb weiterer Sprachen unterstützen. Studien zeigen, dass ein stabiles Fundament in der Erstsprache den Erwerb der Zweitsprache erleichtert.


2. Bedeutung der deutschen Sprache in unserem Kitaalltag:
Neben der eigenen Muttersprache hat die deutsche Sprache eine zentrale Bedeutung für die Teilhabe an unserem Kindertagesstättenalltag, für soziale Beziehungen und für den späteren Bildungserfolg. Der BayBEP betont, dass alle Kinder – unabhängig von ihrer Herkunft – frühzeitig, alltagsintegriert und kontinuierlich beim Erwerb der deutschen Sprache unterstützt werden sollen.
Sprachliche Bildung der deutschen Sprache wird in unserer Kindertagesstätte im täglichen Miteinander, also alltagsintegriert gefördert und gelebt: beim Spielen, Erzählen, Singen, Bilderbuchbetrachten, Forschen, Entdecken, Toben, Kreativsein, oder bei gemeinsamen Gesprächen und Projekten.
Im Kitaalltag sind wir, pädagogischen Fachkräfte, uns stets unserer „Sprachvorbildrolle“ bewusst, achten auf eine deutliche, korrekte Aussprache und eindeutige Begrifflichkeiten. Eigene Handlungen werden von uns nach Möglichkeit sprachlich begleitet, so dass die Kinder stets darüber im Bilde sind, was-wo-wie von statten geht. Somit kann sich der Wortschatz der Kinder zunehmend erweitern und ihnen helfen sich selbst besser verständlich zu machen.
Zudem ist es uns wichtig, für die Kinder eine vielseitige, sprach-anregende Umgebung zu schaffen, in welcher sie sich wohlfühlen und eingeladen sind miteinander zu kommunizieren, sich auf Rollenspiele einzulassen und sich hierbei aktiv mitzuteilen.
Darüber hinaus bieten wir in unserer Kita für Kinder, die Deutsch als Zweisprache (DaZ) erwerben und Unterstützungsbedarf haben, zusätzlich, regelmäßige Deutschfördereinheiten mit unserer Sprachförderkraft – Frau Kleber – an. Derzeit fördert sie die Kinder in sechs unterschiedlichen Kleingruppen, die den Deutschkurs bzw. Vorkurs Deutsch besuchen. Jede Kleingruppe besteht aus ca. 4 – maximal 6 Kindern, die sich gruppenübergreifend, einmal in der Woche, an einem festen Tag und zu einer festen Uhrzeit treffen.
3. Unsere zusätzlichen Sprachfördereinheiten mit strukturierter Vorgehensweise laufen wie folgt ab:
Zunächst begrüßt unsere Handpuppe „Trixi“ jedes einzelne Kleine bzw. jedes Mittelkind. Bei den Vorschulkindern („Schlaufuchskindern“) übernimmt die Begrüßung jedes Einzelnen unsere Fuchshandpuppe „Ferdinand“. Nach der Begrüßung singen wir gemeinsam unseren „Deutschkursrap“ bzw. die Vorschulkinder ihr „Schlaufuchslied“, welches wir bewegungstechnisch untermalen. Um unseren Fokus auf die Sprache / Aussprache setzten zu können, starten wir nach dem Singen mit mundmotorischen Übungen / Spielen, bei welchen wir unsere Zunge, Lippen spielerisch, bewusst zum Einsatz bringen und bewegen. Dies ist wichtig, damit wir die Muskeln der Zunge, Lippen, Wangen und Kiefer präzise steuern können. Somit trägt die Mundmotorik für eine gute Sprachentwicklung der Kinder bei. Nachdem alle auf den sprachlichen Fokus eingestimmt sind, legen wir los, uns mit unserem aktuellen Thema intensiv auseinanderzusetzen. Je nach Interesse der Kinder bearbeiten wir ein Thema ca. 4 – 6 Wochen.
Darüber hinaus versuchen wir möglichst viele sinnliche Anreize einzubauen, sodass die Kinder durch das Gesehene, Gehörte und Gefühlte, das aktuelle Thema auch greifen und damit tatsächlich begreifen und ganzheitlich lernen können. Zum Schluss der Sprachfördereinheit verabschiedet sich die Handpuppe von den Kindern, manchmal mit einer Verständnisfrage zum Thema oder mit einem Ausblick was uns das nächste Mal erwarten wird. Bevor die Kinder wieder in ihre jeweiligen Gruppen zurückkehren, sprechen wir noch unseren gemeinsamen „Abschluss – Gegenteil – Vers“, zu welchem wir entsprechend Bewegungen ausführen.
Unser Abschluss-Gegenteil-Vers:
Das ist gerade, das ist schief, das ist hoch und das ist tief.
Das ist dunkel, das ist hell, das ist langsam, das ist schnell.
Das ist laut und das ist leise und jetzt drehen wir uns im Kreise,
denn der Deutschkurs ist jetzt aus und drum gehen wir aus dem Zimmer raus.
Im nächsten Teil unserer Sprachserie erfahren Sie mehr zum Thema “Sprachvorbilder”.